Beamtenrat

Beamtenrat der Loge Roland zu den Alten Pflichten

Trauerloge

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Gästeabend

Auf unseren Gästeabenden laden wir gerne Interessierte in unsere Loge ein. Es ist der Ort, um die Freimaurerei kennenzulernen. Erleben Sie Vorträge zu verschiedenen Themen und die anschließenden Diskussionen.

Gerne laden wir Sie zu unseren Gästeabenden ein. Haben Sie Interesse? Dann senden Sie uns eine Nachricht.

Bayreuth - Pflichten eines Freimaurers

Unterweisung in I

Unterweisung der Brr. Lehrlinge

Bruderabend: “Das Ritual in I”

Bruderabend der Loge Roland zu den Alten Pflichten. Besuchende Brüder anderer Logen sind herzlich Willkommen. Gerne können Sie sich vorab bei unserem Sekretär anmelden.

Bayreuth - Pflichten eines Freimaurers

Unterweisung in II

Unterweisung der Brr. Gesellen

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Beamtenrat der Loge Roland zu den Alten Pflichten

Johannisfest Roland zu den Alten Pflichten

Johannisfest Roland zu den Alten Pflichten (mit Hammerwechsel); Zeichnung Br. U.G.

Barfuß oder Lackschuh – Die Polaritäten in unserem Leben

Vortrag auf dem Gästeabend der Loge Roland zu den Alten Pflichten anlässlich der Barfussweltrekord-Chartiy-Pilgertour von Bruder Aldo Berti.


Verehrte Gäste, liebe Brüder,

ich bedanke mich sehr herzlich, dass ich in dieser ehrwürdigen Umgebung vor Ihnen stehe und im Zuge meiner Barfußweltrekored-Charity-Pilgertour meine Gedanken zu den Polaritäten unseres Lebens mit Ihnen teilen darf. Und das Ganze auch noch Barfuß!

Ich habe in den letzten zwei Jahrzehnten schon viele Gästeabende besuchen dürfen, aber niemals habe ich einen Redner barfuß gesehen.

Da ich, wie viele der hier Versammelten, seit nunmehr 21 Jahren Freimaurer bin, komme ich normalerweise in Schuhen in das Logenhaus, manchmal auch mit Lackschuhen!

Zu einer Logenarbeit im Tempel erscheinen alle Brüder, als Ausdruck der Gleichheit und der Begegnung auf Augenhöhe, in der Regel im dunklen Anzug und wenn es ein Smoking oder Frack ist, gerne auch in Lackschuhen.

In der Loge verbringen wir eine gemeinsame Zeit, in der wir durch das Zusammensein mit Brüdern, die nach ähnlichen, die Menschen verbindenden Zielen streben, Impulse für unser individuelles Leben bekommen.

Diese Zusammenkünfte sind eine gute Basis und ein Inspirationspool, um gestärkt in den Alltag zurückzugehen und in unserem individuellem Umfeld Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zu leben.

Auch ich habe eine Familie, ein mich sehr ausfüllendes Berufsleben, Regeln und Anforderungen, die meinen Alltag normalerweise strukturieren.

Zur Zeit bin ich unterwegs.

Ich gehe in 86 Tagen, 2.100 Kilometer, barfuß durch Deutschland und die Schweiz, sammle dabei Spenden auf meiner Tour für drei Kinderhilfsprojekte in Deutschland und werde, sofern ich heil ans Ziel komme, damit einen bestehenden Weltrekord aus dem Jahr 2016 einstellen.

Diese Gegensätze – dort, ein an jedem Tag getaktetes Leben, – hier, nun 3 Monate auf Pilgertour mit vielen Unbekannten – sind für mich ein gutes Beispiel für Polaritäten in unserem Leben.

Polarität ist ein Ausdruck der Philosophie für das Verhältnis gegenseitig bedingter Größen. Sie unterscheidet sich vom Dualismus, bei dem die Größen antagonistisch, also nicht miteinander vereinbar gesehen werden. Bei der Polarität geht es nicht um einen unvereinbaren Gegensatz, sondern um ein komplementären Verhältnis.

Eine Polarität besteht aus einen Gegensatzpaar und der Beziehung zwischen den Polen: Tag-Nacht, hell-dunkel, kalt-heiß, schwarz-weiß, Mann-Frau, Liebe-Hass, arm-reich, krank-gesund, gut-böse, Mut und Angst etc., wobei einem einzelnen Pol nie eine Wertung (etwa gut oder schlecht) zugeordnet werden sollte.

Die Pole sind die zwei gegenüberliegenden Enden derselben Sache, untrennbar zu einer Einheit verbunden und bedingen einander.

Licht lässt sich nur im Kontrast zur Dunkelheit definieren, Hitze nur, wenn es Kälte gibt, keine Armut ohne Reichtum usw.

Die Polarität ist die Grundlage unseres Lebens, die Wegstrecke auf der wir unsere indivduellen Erfahrungen machen dürfen! Wenn wir die Polaritäten nicht hätten, könnten wir keinerlei Erfahrungen machen, alle würden – symbolisch gesprochen – stumpf in die gleiche Richtung gehen. Wenn wir unsere Polaritäten aber möglichst offen und großzügig ausloten, wenn wir erkennen und anerkennen, dass in jedem von uns ein Teufel und eine Mutter Theresa steckt, dann können wir zur wahren Mitte unseres individuellen Seins kommen.

In jede von uns sitzen ein Zerstörer und ein Friedensengel.

Nur wenn ich die Amplitude meines eigenen Lebens anerkenne, werde ich spüren lernen, wo sich meine echte, wahre Mitte befindet. Wenn wir geboren werden, haben wir doch alle Möglichkeiten. Theoretisch kann aus uns in diesem Moment noch alles werden, was in unseren Anlagen steckt.

Dann kommen aber sehr schnell äußere Faktoren unseres Umfeldes zum Tragen. Wir werden in eine bestimmte Familie, ein bestimmtes Land und in ein bestimmtes soziales Umfeld geboren – mit seinen ganz eigenen Voraussetzungen, Nöten und Ängsten. Auch Anlagen spielen natürlich eine Rolle. Durch Erziehung und Prägung werden dann die Weichen für das weitere Leben gestellt. Wir wollen natürlich den Anforderungen genügen, die Eltern, Erzieher und Lehrer an uns stellen. Also versuchen wir die Erwartungen, die man an uns hat, zu erfüllen.

Wenn ich Glück hatte, haben meine Eltern und meine Lehrer mich richtig erkannt und mich entsprechend gefördert. Das wäre grundsätzlich schon mal eine gute Voraussetzung für ein glückliches, harmonisches Leben.

Wenn dem aber nicht so war, dann kann es sein, dass ich mich in ein Korsett habe drängen lassen, dass mich vielleicht weit unter meinen Möglichkeiten verweilen lässt und ich somit nur einen kleinen Teil von dem entdecke, was eigentlich in mir steckt, in meiner Person angelegt ist.

Die zwei größten Möglichkeiten unseres Lebens sind Liebe und Angst.

Wir können letztendlich alle unsere Aktionen im Leben darauf zurückführen. Wenn sie heute nach unserer Veranstaltung wieder zu Hause sind und ein wenig Zeit für sich selbst haben, gehen sie einfach mal einige Stationen ihres Lebens nach. Sie werden mir Recht geben: Alles was wir tun, tun wir aus der Motivation Liebe oder aus der Motivation Angst heraus!

Inspiriert von Nelson Mandela möchte ich sagen:

“Unsere Angst ist nicht, dass wir minderwertig sind. Unsere größte Angst ist, dass wir grenzenlos sind in der Fülle unserer Kraft. Es ist unser Licht, nicht die Dunkelheit in uns, was uns erschreckt. Wir fragen uns, wer bin ich, dass ich hervorragend, großartig, talentiert und berühmt sein könnte?

Anders – was solltet ihr nicht sein?

Ihr seid Kinder Gottes. Das Ihr Euch klein macht, hilft der Welt nicht. Es ist nichts inspirierendes dabei, wenn Ihr Euch klein macht, damit die Menschen um Euch herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir sind auf der Erde, um das Licht Gottes, DIE LIEBE, in die Welt zu tragen, die in jedem von uns ist.

Dieses Licht, diese Liebe ist nicht nur einigen von uns, es ist in uns allen. Und wenn wir unser Licht, unsere Liebe erstrahlen lassen, geben wir unbewusst auch anderen die Möglichkeit, dasselbe zu tun. Und wenn wir befreit sind von unserer eigenen Angst, wird unsere Gegenwart andere befreien.”

Die Freimaurerei bietet die undogmatische Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern, durch den Austausch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichsten Berufen und unterschiedlichen religiösen Ansichten, von Gleich zu Gleich, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Unser Leitspruch lautet:

“ERKENNE DICH SELBST!”

Die Polaritäten, die ich durch den Austausch mit meinen Brüdern aufgezeigt bekomme, ohne das einer unter ihnen für sich in Anspruch nimmt, nur seine Auffassung, seine Wahrnehmung des Lebens wäre die einzig Wahre, geben mir Mut und Vertrauen, auch eigene Standpunkte, eigene Sichtweisen zu überdenken und sie dann nach ehrlicher, innerer Prüfung entweder zu verändern oder aber auch zu ihnen zu stehen.

Da wir ja auf einem Gästeabend sind und ich somit voraussetze, dass ein jeder der anwesenden Gäste noch viele Fragen zum Thema Freimaurerei hat, möchte ich zum Ende meines kurzen Vortrages noch versuchen zu beschreiben, was die Freimaurerei für mich und mein persönliches Leben bedeutet.

Der Gewinn tieferer Erkenntnis über mich selbst und damit verbundener größerer Harmonie mit mir selbst, haben mich mutig gemacht, neben den Konventionen meines Alltagslebens auch mal ganz verrückte Dinge zu wagen. So bin ich als 50jähriger, völlig unsportlich und 107 Kilogramm schwer, angefangen Marathon für einen guten Zweck zu laufen und bin jetzt 3 Monate für einen guten Zweck auf Barfußweltrekord-Charity-Pilger-Tour.

Freimaurerei ist keine Angelegenheit der Berechnung oder eine Lehre der Worte bzw der Theorie. Sie ist etwas, dass wir in uns entwickeln, etwas, das mir und anderen zugute kommt, wenn ich es in mir lebendig werden lasse. Ich habe die gleichen Hände und Füße wie in der Zeit, als ich noch nicht Freimaurer war, aber ich mache jetzt besseren Gebrauch von ihnen; ich habe den gleichen Geist, das gleiche herz, aber sie sind von größeren Ideen und Idealen ausgefüllt.

Die Charakterzüge eines Menschen bilden sich nicht zufällig, in Form von willkürlich. Sie sind das Ergebnis unseres Denkens und unserer Lebensführung. Die Arbeit am Erkennen des eigenen, individuellen Selbstes führt mich zu dem Bestreben, allen, die mit mir leben, meiner Familie, meinen Brüdern und Schwestern, meinen Freunden und allen, die im Beruf oder sonst wo mit mir zu tun haben, Gutes zu tun, ohne mich selbst dabei zu vergessen!

“Liebe deinen nächsten, wie dich selbst!”

Dieses bekannte Bibelzitat (Galater 5,14) heißt bewusst nicht: Liebe deinen Nächsten mehr wie dich selbst! Es impliziert, dass nur durch ein gesundes Maß an Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstaufmerksamkeit, ich diese Liebe auch ohne Bedingung dem Anderen geben kann.

Je mehr ich mir den Polaritäten  meines Lebens bewusst werde und je mehr ich mich dadurch selbst kennen und annehmen lerne, desto weniger werde ich in Konkurrenz zu den anderen treten. Desto weniger muss ich mir vor anderen profilieren.

Ein chinesisches Sprichtwort sagt:

“Würden die Menschen danach streben, sich selbst zu vervollkommnen, statt die ganze Welt zu retten, selbst innerlich frei zu werden, statt die ganze Menschheit befreien zu wollen – wieviel würden sie zur wahren Befreiung der ganzen Menschheit beitragen.”

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns einen erkenntnisreichen, schönen gemeinsamen Abend.


Wir bedanken und bei Aldo Berti für den kurzweiligen Vortrag und die anschließende Diskussion

Matjesessen mit Damen