Über den Charakter des Maurers

Der
Maurer glaubt an Ehre, Tugend und Redlichkeit. Eben das ist es,
verehrte Brüder, was den eigentümlichen Charakter des Maurers ausmacht.
Die vortrefflichen Grundsätze, welche die Freimaurerei ihren Zöglingen
einprägt, die innige Verbindung so vieler Edlen, die alles Zweideutige
in irgendeinem Charakter entweder sich gleichmacht oder auswirft, die
beständige Übung im Wohltun aus den edelsten Beweggründen, das ist es,
wodurch die Freimaurer ihre Glieder vor Profanen kennbar macht.
Sie geht ihre
eigenen Wege in der Bildung des Maurers. Sie lässt seinen Geist frei
walten im unermesslichen Gebiet des Wissens, aber sie bannt ihn
zugleich in den Kreis der Wahrheit. Sie nötigt ihm keine gute Handlung
ab, aber sie will, dass, wenn er handelt, seine Beweggründe edel und
seine guten Taten echtes Gold seien ...
Durch diese
brüderliche Gleichheit ihrer Glieder bringt sie den Menschen der
Menscheit näher, und da sie ihn aller oft nur drückenden
Koventionswürden entkleidet, reduziert sie all seine Ansprüche auf die
einzigen wahren Vorzüge: auf Weisheit und Tugend!
Wenn wir,
verehrte Brüder, alle wohltätigen Strahlen jenes Lichtes, das in
unserem Heiligtum leuchtet, in einem Brennpunkt sammeln, so finden wir,
dass der ausgebildete Maurer auf der Stufenleiter menschlicher Größen
den ersten Rang behaupte, dass er mit allen Zwecken der Menschheit in
vollkommenem Einklang stehe, dass er notwendig der beste Bürger, der
treueste Untertan, der unbestechlichste Richter, der redlichste Freund,
der beste Vater sein müsse, weil er der beste Mensch ist; wir sehen
aber auch, dass die mühsame Pflege des inneren Menschen die eigentliche
Arbeit des Maurers, und das Vermögen sich selbst zu beherrschen, das
höchste Aufgebot seiner wahrhaft königlichen Kunst sei. 
 Lied der Freiheit

Wer unter eines Mädchens Hand
Sich als ein Sklave schmiegt
Und, von der Liebe festgebannt,
In schnöden Fesseln liegt,
Weh dem! der ist ein armer Wicht,
Er kennt die gold'ne Freiheit nicht.
Wer sich um Fürstengunst und Rang
Mit saurem Schweiß bemüht
Und, eingespannt sein Leben lang,
Am Pflug des Staates zieht,
Weh dem! der ist ein armer Wicht,
Er kennt die gold'ne Freiheit nicht.
Wer um ein schimmerndes Metall
Dem bösen Mammon dient
Und seiner vollen Stärke Zahl
Nur zu vermehren sinnt,
Weh dem! der ist ein armer Wicht,
Er kennt die gold'ne Freiheit nicht.
Doch wer dies alles leicht entbehrt,
Wonach der Tor nur strebt,
Und froh bei seinem eignen Herd
Nur sich, nicht andern lebt,
Der ist's allein, der sagen kann:
Wohl mir, ich bin ein freier Mann! 
 Kettenlied

Wir folgen dem schönsten der Triebe,
Der Menschen mit Menschen verband,
Und reichen zur Kette der Liebe
Uns herzlich einander die Hand.
Wir dienen der Freundschaft,
Sie bindet die Herzen der Maurer allein;
Sie schlinget die Kette und windet
Uns Rosen der Freude darein.
Ihr suchet das Ende vergebens,
Wir brechen die Kette nicht ab.
Sie reichet vom Osten des Lebens
Bis hin gegen Westen an's Grab.
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